Fasching sucks. Wie verdammt kam ich eigentlich auf die Idee eine Jamaika-Party schmeißen zu wollen? Man hätte ahnen können dass das in einem stilistischen Desaster enden muss. Notgedrungen hatte ich mir bei Karstadt vom Alles-9,99-Faschingsgrabbeltisch eine Mütze gekauft die aussah wie ein zu groß geratener Hackysack mit angenähten Plastikdreads. Das war schon mal fürchterlich. Damit man mich unter Zotteln und Hackysack wenigstens nicht erkennt schwatzte mir der Pornobrillenpräsentator des Herrenausstatters meines Vertrauens, New Yorker, eine vollverspiegelte Pornobrille auf. Sicher ist sicher.
Noch hatte ich Hoffnung, die Peinlichkeit halsabwärts mildern zu können, vielleicht mit einer stilsicheren Omahosen-Hemd-Kombi. Allerdings hatten meine Mitbewohner die fixe Idee die Reggaefarben auf die Klamotten zu batiken und damit gut auszusehen. Mein heiseres Entsetzen konterten sie mit der spontanen Weihung der in der Kaufburg um die Ecke erstandenen weißen Klamotten nebst Farbe zu meinem hochoffiziellen Geburtstagsgeschenk. Erst jetzt entdeckte ich die Plastiktüten von Real,- sah den Inhalt und dann das stolze Lächeln in den Gesichtern der Mitbewohner. Der Plan war: untere Hose Rot, Gemächt und unterer Teil des T-Shirts Gelb und die Schultern Grün.
Es war ja gar nicht mal dass sie geschätzte 1000 meiner heiligen Kabelbinder* verbrauchten. Auch nicht dass die Ferkel sich und das Bad von oben bis unten mit Farbe vollsauten. Nein, also prinzipiell war die Idee mit den Reggaefarben auf dem Pelz eine gute. Vielleicht hätte man wasserechte Farbe kaufen, mehr Farbsaugtücher in die Waschmaschine werfen oder die Aktion, ganz allgemein, besser vorbereiten können. Der Karren rollte das erste Mal auf die Wand zu. Was demnächst aus der Waschmaschine kommt wird kackbraun, fürchtete ich, die Party wird Scheiße und mein Ruf als Stilikone ist auch dahin. Glücklicherweise wurde nur das Grün braun, der Rest blich lediglich tierisch aus. Trotzdem: mit ein bisschen Phantasie erkannte man tatsächlich die Fahne und zumindest könnte ich über die ganzen nicht verkleideten Spaßbremsen auf meiner Party lästern.
Am Partyfreitag brach ein gelber Bus mit Dosenpfandflüchtlingen aus Deutschland nach Frankreich auf, um im benachbarten Forbach elf dosenpfandfreie Paletten Becker’s Pils zu kaufen. Das waren immerhin 120 Liter Bier und ich hatte Hoffnung, dass das für den Abend reichen könnte. Wir kauften noch von die französische Baguette die so schön gekrümelt hat in mein Fahrerkabine und setzten die Segel zurück nach Saarbrücken. An der Grenze wurden wir dann ganz klassisch von grünen Männchen herausgewunken und durften stolz Füherschein, Personalausweis und Fahrzeugschein zeigen. Und dem hoch gernervten Cop anschließend noch die elf Paletten Dosenbier im Kofferaum präsentieren. Das beste Versteck für eine Leiche im Auto ist vermutlich hinter elf Paletten Becker’s Pils im Kofferraum. Auch der Verwesungsgeruch, eigentlich typisch für den Bus meines Mitbewohners, irritierte den Gesetzeshüter nicht weiter und wir durften unsere Fahrt fortsetzen.
Kabelbindung, die
Die Verfechter der Stringtheorie ist sich einig, dass die Welt im tiefsten Inneren von aberwitzig kleinen Fäden zusammengehalten wird. Ich hingegen weiß, dass es sich dabei tatsächlich um Kabelbinder handeln muss, denn wie Kabelbinder kommen auch Strings nur in bestimmten Größen und Längen vor. Wenn beide Modelle die Welt gleich gut erklären können dann wird, aus wissenschaftsästethischen Gründen, die einfachere Theorie akzeptiert. Das Prinzip eines Kabelbinders leuchtet sofort jedem Kind ein, das man an seinen Laufstall fesselt, während Strings von fast niemand verstanden werden und man mit ihnen auch niemand fesseln kann. Die erste Hälfte Nobelpreis-Preisgelds verprasse ich und die andere gebe ich für schnelle Autos und Frauen aus. Den Rest spende ich.