Es gibt 10 Sorten Mensch: diejenigen, die Binärcode verstehen und solche, die es eben nicht tun. Ich bin ein Geek. Ich bin Eingeborener der digitalen Welt.
Wir Geeks mussten die digitale Sprache nicht mühsam erlernen, sondern sind sozusagen die erste Generation der Muttersprachler. Wir experimentieren mit Technik und schaffen Dinge, ohne die unsere Welt nicht mehr denkbar wäre. Ohne uns gäbe es keine MP3-Player, kein StudiVZ und sowieso nix was Spaß macht, denn wir sind diejenigen, die sich mit der Technologie auskennen, die hinter all diesen Diensten steht.
Trotz allem hat es das Sex Appeal eines stinkenden, durchgetretenen Turnschuhs, wenn man sich als Geek zu erkennen gibt und weiterhin die Freiheit besitzt, Spaß an Beruf und Hobby zu haben. Auf die meisten Damen hat die Erwähnung meine Berufswahl die Wirkung eines Kontrazeptikums, was allerdings nicht daran hindert, mich um meinen Rat zu bitten, sobald ihr Rechner nicht mehr tut was er soll. Meistens verortet frau dann eine emotionale Störung in der Beziehung zu ihrem Rechenknecht und erzählt dann in herzerweichendem Singsang etwas, dessen emotionaler Ursprung zweifelsfrei sein muss dass sie ihren PC für ein Tamagotchi hält. Dem hat sie nicht genug zu fressen gegeben und deshalb ist jetzt das Internet kaputt?
Mitnichten. Bis auf absolute Ausnahmefälle ist das Internet nicht kaputt und zur Not habe ich ein Backup. Mittlerweile habe ich mir jede Spekulation abgewöhnt. Aber in den meisten Fällen hat man sich einen Virus gefangen auf einer Schmuddelseite. Wo treibst du dich eigentlich rum?
Das Ergebnis war nahezu immer dasselbe: ich stecke einigen Enthusiasmus in das Lösen eines mehr oder weniger aufregenden Computerproblems um dann nachher zu erfahren, dass der genaue Fehler die Besitzerin nicht interessiert und der Glanz meiner Heldentat bereits verblasst ist. Schließlich ist ja alles so wie es sein soll und ich lucky idiot habe es ja auch noch gern gemacht! Ab jetzt bekommt der PC einfach genug zu fressen.
Meine Mitbewohnerin hat einmal den Vogel abgeschossen. Die ließ sich von mir den billigstmöglichen PC aus allerlei im Keller rumliegenden und bei eBay erstandenen Komponenten zusammenbasteln. Ich habe das durchaus gerne und, wie immer, mit einigem Enthusiasmus gemacht. Es kann nicht schaden, dachte ich mir, wenn meine Mitbewohnerin einen Gefallen schuldig ist. Die Kiste lief irgendwann halbwegs, doch nach einigen Monaten gab das Mainboard den Geist auf. Ich fand den Rechner zusammen mit einem Zettel in meinem Zimmer, dem ich entnehmen konnte dass ich bitte ein neues Mainboard zu kaufen und einzubauen habe.
Hab ich dann natürlich nicht gemacht. In solchen Momenten stößt jede Philosophie der Nächstenliebe an ihre Grenzen. Zu allem Unglück begegnet man in der Welt einer Missbilligung gegenüber Technologie. Mittlerweile geht mir die Ignoranz auf den Zeiger, der man insbesondere in der Damenwelt begegnet. Ich habe einfach keinen Bock mich für das zu entschuldigen was ich cool oder witzig finde. Schneller als man Geek sagen kann schnappen die Schubladen zu: Pizzafresser – Killerspieler – Mathekönner. Sozial inkompetent und im besten Fall ein Karrierist. Die Rolle des großen Ernährers, der sagt, ich füttere dich durch, liegt mir aber überhaupt nicht. Irgendwann, an einem nicht mehr allzu fernen Tag, werde ich die Eier haben und sagen:
„Du studierst Interkulturelle Kommunikation? Warum suchst du dir keinen Beruf mit dem du einen Mann und zwei Kinder ernähren kannst?“