Freiheit statt Angst

Posted: 20th September 2009 by twelve02 in Berlin, Faschobashing

Neulich fiel meine Welt ein weiteres Mal zusammen. Wie im letzten Eintrag dargelegt hatte die deutsche Politik die Zensur des Internets vertrauensvoll in die Hände der Schnauzbartträger im Bundeskriminalamt gelegt. Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Frustration stehe ich vor dem Scherbenhaufen politischer Inkompetenz. In das Urteilsvermögen des BKA bezüglich Inhalten, die ich sehen darf, habe ich ein ähnliches Zutrauen wie in den Wiederaufstieg des 1. FC Saarbrücken in die Bundesliga. Solange ich meine Meinung noch sagen darf, sollte ich das tun.

Hinter mir lagen beflissene Wochen einsamer Rechnerarbeit. Ich hatte mit einen Arbeitsrythmus von 22 bis ultimo angewöhnt, weil ich in dieser Zeitspanne einigermaßen ungestört von äußeren Einflüssen programmieren kann. Duldsam den verlängerten Arm der Maschine gebend riss ich so Schicht für Schicht runter, bis die Implementierung meiner Masterarbeit auf halbwegs sicheren Beinen stand. Die herrlichen Tage des Hochsommers verschwammen indes zu einer Impression jenseits meiner Balkontür.

Meistens erwachte ich am späten Nachmittag aus einem traumlosen Schlaf und fühlte mich ziemlich unerholt. Zunehmend bereitete mir das Einschlafen ein Problem. Mit der Zeit schlug mir dieser Tagesablauf so nachdrücklich auf Fitness und Gemüt, dass ich nach ein paar Wochen düstere, blutunterlaufene Augenringe mit mir herumschleppte, die so tief hingen dass ich ständig drohte, darüber zu stolpern.

Darüber hinaus bekam ich, zu allem Unglück, wieder diesen abwesenden Gesichtsausdruck, mit dem ich mein direktes soziales Umfeld einen Einblick in meine Welt erlaubte. Völlig versunken in meinen Gedanken stakste ich dann zombiemäßig durch die Wohnung und nahm Hindernisse bestenfalls peripher wahr, während ich über Details der Implementierung sinnierte. Jedenfalls kam es, so berichteten meine Mitbewohner später, gelegentlich zu Kollisionen mit einem Türrahmen oder dem Tischfußballtisch. Die allgemeine Besorgnis über meinen Geisteszustand verdichtete sich. Da es so offensichtlich nicht weitergehen konnte buchte ich ich einen Flug nach Berlin, um auch in diesem September wieder für Freiheit statt Angst auf die Straße zu gehen.